Hochzeitsfotografie
Wie man als Amateur eine Hochzeit professionell begleitet
Vorwort
Die Hochzeit zu fotografieren überlässt das Brautpaar normalerweise einem Fotografen, lediglich die Feierlichkeiten selbst „knipsen“ dann ein oder mehrere Verwandte oder Bekannte. Kennen sie einen Hobbyfotografen, so wird die Entscheidung bei der Hochzeit zu fotografieren wohl auf ihn fallen. Im Regelfall begleitet er die Hochzeit über den ganzen Tag und ein Fotostudio wird beauftragt, die eigentlichen „Hochzeitsbilder“ zu schießen. Heutzutage, in Zeiten knapper Kassen, fällt es Brautpaaren immer schwerer, einen professionellen Fotografen zu beauftragen. Stattdessen hofft man auf die Talente eines preiswerten oder gar kostenlosen Hobbyfotografs. Damit sich dessen Aufnahmen nicht hinter denen eines Fotostudios verstecken müssen, möchte ich ihn mit diesem Werk einige Tipps mit auf den Weg geben.
Ausrüstung
Der Amateurfotograf wird im Gegensatz zum Berufsfotografen keine Mittelformatkameras einsetzen. Diese sind teuer und deshalb den Aufwand oft nicht Wert. Durch ihre größeren Negative sind die Aufnahmen feinkörniger und können problemlos auch über normale Abmaße hinaus vergrößert werden. Da die Hochzeitsfotos aber nicht vorrangig in Wirtschaft und Werbung genutzt werden sollen, sondern im privaten Hochzeitsalbum Platz finden und selten einmal auf über 400 mm x 600 mm vergrößert werden, reichen Kleinbildkameras vollkommen aus. Auch professionelle Hochzeitsfotografen arbeiten oft mit den kleineren und handlicheren Kleinbildkameras. Spiegelreflexmodelle bieten schon in der semiprofessionellen Liga ein unerschöpfliches Ausstattungspotential.
Mit der aufkommenden Digitalfotografie wurde auch dem Hochzeitsfotografen ein leistungsstarkes Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Zeitraubendes Filmwechseln, welches immer im unpassendsten Augenblick den Fotografen beschäftigt, entfällt hier. Speicherkarten mit akzeptabler Kapazität leisten hier gute Dienste. Als wichtigste Eigenschaft sei hier zu nennen, dass man die Bilder an Ort und Stelle betrachten und beurteilen kann. Misslungene Aufnahmen können sofort wieder gelöscht werden, sodass die Speicherkarte optimal genutzt werden kann. Kleinbildfilme besitzen immer eine feste Empfindlichkeit und herstellerspezifische Farbeigenschaften. Die Digitalkamera jedoch kann durch eine individuelle Empfindlichkeit und durch verschiedenste Weißabgleichfunktionen eine immer korrekte Farbwiedergabe und Belichtung gewährleisten. Nutzt man einen Laptop, so kann man während der Hochzeit die Bilder überspielen und die leere Karte erneut nutzen. Durch die unbegrenzte Anzahl von Bildern wird die Ausbeute an optimalen Fotos deutlich höher ausfallen, als bei der herkömmlichen Fotografie. Man sollte aber nicht vergessen, dass Digitalkameras einen hohen Stromverbrauch aufweisen und deshalb genügend Ersatzakkus in das Gepäck gehören. Da man meist einen ganzen Tag lang ununterbrochen im Einsatz ist, empfiehlt es sich sogar, das Ladegerät mitzunehmen und die Akkus sofort wieder zu laden – zu später Stunde stehen diese dann wieder zur Verfügung.
Unverzichtbar ist ein externes Blitzgerät mit hoher Leistung. Nur so ist sicherzustellen, dass auch größere Räume gut ausgeleuchtet werden und auch Objekte in weiterer Entfernung noch in den Genuss einer Blitzausleuchtung kommen.
Auch an Filtern bietet der Markt eine weitreichende Palette. Einige Effektfilter können auch bei der Hochzeitsfotografie zum Einsatz kommen. Gerade Nebelfilter und Softener unterstreichen eine zarte Lichtwirkung. Sternfilter lassen das chromblitzende Hochzeitsauto strahlen oder können auch in der Kirche Akzente setzen. In der Praxis wird es aber so sein, dass alles immer sehr schnell von Statten geht, Zeit Filter zu wechseln, bleibt kaum. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich eines Assistenten bedienen, der zumindest Grundkenntnisse von der Kameratechnik besitzen sollte. So kann man sich schnell Kameras reichen lassen und ihn bitten, ein bestimmtes Objektiv, Filme, Filter und Batterien zu wechseln.
Weiter gehören ins Gepäck: Stativ, T-Bag, Decke, Filter, Optikputzlappen, Tritt
Günstig wäre es auch, wenn man einen Assistenten verpflichten kann. Dieser kann das Equipment parat halten, auf saubere Linsen achten und – ganz wichtig – die Motive dirigieren! Er sollte auch auf die wichtigsten Dinge achten: geschlossene Jacketts, richtig sitzende Krawatten und Tücher und: den Brautstrauß immer nach vorn zeigen und nicht zu hoch halten.
Vergessen Sie nicht, die Uhrzeit und das Datum an den Kameras einzustellen (synchronisieren) und evtl. auch die anderen fotografierenden Gäste darauf hinzuweisen. Möglicherweise werden Sie auch deren Fotos verwenden. Es ist eine große Hilfe, wenn man sämtliche einlaufende Bilder in der Reihenfolge ihres Entstehens sortieren kann.
Vorbereitung
Wurde man also gebeten, eine Hochzeit von früh bis spät fotografisch zu begleiten, so lässt man es noch ruhig angehen. Je näher der Hochzeitstermin jedoch rückt, desto unruhiger wird auch der Amateurfotograf. Am Hochzeitstag schließlich wird er genauso aufgeregt sein, wie das Brautpaar selbst. Immer den Gedanken im Hinterkopf, ob die Fotos wohl gelingen – gerade auch, weil kein Profifotograf engagiert wurde. Der Hochzeitstag verfliegt im Nu, was bleibt sind die Erinnerungen und natürlich die Fotos. Auf dem Amateur lastet bei der Hochzeitsfotografie deshalb ein enormer Druck.
Der Fotograf ist daher gut beraten, seine Vorbereitungen sofort bei „Auftragserteilung“ zu beginnen. Welche Technik setzt man ein, welches Zubehör ist sinnvoll. Günstig wird es auch sein, die Lokalitäten schon im Voraus einmal zu besichtigen. Am Hochzeitstag weiß man dann schon, in welche Richtung die Gäste laufen werden, wo man zum Gruppenfoto Aufstellung nehmen kann und nicht zuletzt, wo man das Brautpaar romantisch in Szene setzen wird. Die Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten ist am Hochzeitstag von enormer Wichtigkeit.
Reden Sie mit dem Brautpaar über deren Wünsche und Vorstellungen. Manche erwarten vom Fotografen Zurückhaltung, andere legen viel Wert auf gelungene Bilder und erachten es für wichtig, dass der Fotograf sie immer wieder zum Bild bittet und stets präsent ist. Erklären Sie dem Brautpaar, wann es stehen bleiben soll, um einige Aufnahmen zu belichten. Wichtig ist das beispielsweise beim Heraustreten aus der Kirche.
Lassen sie sich vorab vom Brautpaar deren Fotowünsche aufschreiben, so ist sichergestellt, dass deren Erwartungen in Erfüllung gehen.
Findet die standesamtliche Trauung an einem anderen Tag statt und somit die kirchliche Trauung vermutlich erst nachmittags, so bleibt dem Fotografen für ein Shooting wenig Zeit. Zwischen Kaffeetafel und Abendspeisung sollten dann irgendwie die Fotos geplant werden. Besser gestaltet es sich, wenn vormittags die standesamtliche Trauung stattfindet und am Nachmittag die kirchliche. Dazwischen bleibt viel Zeit, um die Hochzeitsfotos in Szene zu setzen. Für den Nachmittag hat man dann immer noch ein paar Minuten, um weitere Fotos an einem anderen Ort zu fertigen.
Meist hat der Fotograf mehr Ideen im Kopf als er dann tatsächlich umsetzen kann. Und auch das Brautpaar muss die knappe Zeit dieses Tages ausgewogen einteilen und wird sich nicht nur den Bildern widmen. Je wichtiger dem Brautpaar die Hochzeitsfotos sind, desto öfter werden sie den Fotograf kontaktieren.
Tipp: Versäumen Sie es nicht, das Brautpaar im Hochzeitswagen durch das geöffnete Fenster zu fotografieren. Die beiden strahlen vor Glück und winken der Hochzeitsgesellschaft zu.
Allgemeines
Natürlich gelten für die Hochzeit all die allgemeinen Regeln der Fotografie ebenso wie für andere Aufnahmen.
Bei Kindern immer in Augenhöhe
Probieren Sie verschiedene Perspektiven aus, Vogel- und Froschperspektive.
Stark verkantete Bilder sind so in Mode gekommen, dass man sie schon fast wieder über hat. Probieren Sie ruhig einmal, nur leicht zu verkanten, das bringt eine gewisse Dynamik ins Bild (siehe Wolga-Bild)
Vermeiden Sie einen schiefen Horizont, es sei denn man fotografiert einen besonders modernen Stil, bei dem nahezu alle Aufnahmen gekippt entstehen.
Leicht wird das Auge vom Brautpaar abgelenkt und man ist versucht, nur auf deren Lächeln zu achten. Dies sollte man erkennen und seine Sichtweise wieder auf das Gesamtbild ausrichten. Nur so erkennt man schnell, wenn am Bildrand zu wenig Platz ist oder gar Teile des Motivs angeschnitten werden. Es ist sogar ratsam, darauf zu achten, dass man eher etwas mehr Rand lässt. Denn man wird feststellen, dass Fotos im Labor immer etwas beschnitten werden – und das immer gerade an der Stelle, wo das Objekt eh schon weit an den Rand gerückt ist. Ebenso schätzt man einen breiteren Rand, wenn das Bild später in einen Rahmen platziert wird. Dieser schluckt an jeder Seite schon mal 5 Millimeter und dann sollte der Arm immer noch frei abgebildet sein und nicht den Rahmen berühren. Auch sollte man auf den hellen Himmelstreif am Horizont achten. Dieser fällt oft zu hell aus und lenkt vom eigentlichen Motiv ab. Entweder man kann den Bildausschnitt mit dem Zoom korrigieren oder man nutzt einen Tritt, um durch die erhöhte Position den Horizont aus dem Bild verschwinden zu lassen.
Wer die Möglichkeit hat, sollte sich einen Assistenten suchen. Dieser kann dann auf weitere Dinge achten, wie beispielsweise, geschlossene Jacketts, Hand- und Armstellung, die Haltung des Brautstraußes, verdeckte Details, eine zu anstrengende Haltung usw. Auch kann er das Brautpaar während des Shootings anweisen: „Dreht Euch so herum“, „Schaut in diese Richtung“, „Hebt die Köpfe“, „Küsst Euch“ usw. Zu stark gestellte Posen wirken später aber sehr erzwungen.
Fotografieren Sie nicht immer aus dem Stand, sondern nutzen auch ungewöhnliche Perspektiven. Die Froschperspektive bringt eine ebenso tolle Wirkung wie auch die Vogelperspektive mit sich. Kinder sollte man aber grundsätzlich in Augenhöhe ablichten.
Portraits sollten nie im Weitwinkel oder im Normalzoombereich aufgenommen werden, da es zu Proportionsverzerrungen kommt. Optimal ist immer eine Brennweite ab 70 mm, zumal eine hohe Brennweite den Hintergrund stärker verschwinden lässt. Nachteilig ist allerdings die dadurch bedingte längere Belichtungszeit, welche man unbedingt bei Innenaufnahmen beachten sollte.
Hochzeitsvorbereitungen
Moderne Hochzeitsfotografie kommt nicht um sie herum – die Vorbereitungen der Braut. Heute begleitet der Fotograf die Braut seit Tagesbeginn auf Schritt und Tritt mit der Kamera. Beim Friseur begleitet er den Werdegang der Hochzeitsfrisur, bei der Kosmetikerin die schrittweise Verwandlung, das Schmücken der Tafel, die Anprobe usw.
Aber auch andere Stillleben oder Reportagefotos aus der Vorbereitungszeit sind gefragt. Die Vorbereitung des Hochzeitsautos, die Ankunft der Blumen, das Betreuen der aufgeregten Kinder und und und.
Standesamt
Die standesamtliche Trauung findet meist in relativ hell ausgeleuchteten Räumen statt. Ausnahmen, wie beispielsweise unter Tage, sind eher die Ausnahme. In fotografischer Hinsicht kann man also oft aus der Hand fotografieren und ist deshalb schnell, relativ unabhängig und frei beweglich. Neben den traditionellen Aufnahmen des Ringtausches, des Ja-Wortes und der Unterschriften am Tisch sollte man sich gegen Ende der Zeremonie in Richtung Ausgang bewegen. Denn unmittelbar nach dem Ende der Trauung wird das Brautpaar den Saal verlassen und anschließend zahlreiche Glückwünsche entgegennehmen. Gerade die Gratulationen der Eltern sind oft emotionsgeladen, Tränen werden nicht unterdrückt und sollten unbedingt auf Celluloid gebannt werden. Genau diese Bilder werden später beim Betrachten dabei helfen, die Situation am Hochzeitstag nochmals nachzufühlen. Vielleicht machen Sie bereits jetzt schon eine Gruppenaufnahme von den anwesenden Gästen. Und, entgegen allen trends ganz traditionell und altbacken, Fotos des Brautpaares mit deren Kindern, mit den Blumenkindern, mit den Eltern, Geschwistern usw. Speicherplatz hat man reichlich, also lieber alles fotogrfieren was vor die Linse läuft bzw. was sich organisieren lässt.
kirchliche Trauung
Tipp: Während der Bräutigam im Inneren der Kirche auf die Braut im ihm unbekannten Hochzeitskleid und die Braut vor der Kirche mit dem Brautvater auf den Beginn der Zeremonie wartet, werden beide sehr aufgeregt und angespannt sein. Dies sollte der Fotograf für alle Zeiten festhalten.
Die kirchliche Trauung ist zweifelsohne der Höhepunkt des Tages. Der soll natürlich auch im Bild festgehalten werden. Wichtig ist, dass man auch die Stimmung im Bild einfängt. Unverzichtbar ist es, vorab mit dem Geistlichen zu sprechen, um genau auszuloten, wie viele Bilder man wann und wo aufnehmen darf. Ich habe es erlebt, dass ich nur ein paar wenige Bilder zu einem bestimmten Zeitpunkt und nur vorn einem Standpunkt aus aufnehmen durfte, um die Zeremonie nicht zu stören. Ein anderes Mal durfte ich mich jedoch frei bewegen und sogar hinauf zur Orgel. So war es mir auch möglich, das Brautpaar von leicht erhöhter Stellung aus jeder Richtung abzulichten. Auch einen jeden Gast hatte ich so im Okular. Um die Ruhe der Trauung nicht zu stören, bevorzuge ich die digitale Fotografie in der Kirche, da das Auslösegeräusch nicht zu hören ist. Bei Kleinbildkameras ist es erstaunlich, wie laut das Auslösen in einem stillen Augenblick zu hören ist. Auch das Blitzen sollte man einschränken. Zumal in einer gut ausgeleuchteten Kirche stimmungsvolle Bilder nur ohne Blitz gelingen. Stativ oder T-Bag sind dann aber Voraussetzung.
Feierlichkeit
Eine der Hürden, die der Fotograf am Hochzeitstag meistern muss ist die Tatsache, dass er alle Orte als letzter verlässt, aber zugleich am nächsten Ort als erster zugegen sein sollte. So sollte er auch als erster am Ort der anschließenden Hochzeitsfeier eintreffen, um bei Ankunft der Brautleute die oft anschließenden traditionellen Rituale, wie Stamm zersägen, Kinderwäsche aufhängen usw., nicht zu versäumen.
Anschließend gibt es möglicherweise einen Sektempfang, hier wieder versuchen das Brautpaar bei der kurzen Ansprache und beim Zuprosten abzulichten.
Weitere Punkte werden folgen, Anschnitt der Hochzeitstorte, Hochzeitswalzer, Vorträge, Spiele, Brautschleier, Brautstraußwurf, Eisbombe usw. Immer dann sollten Sie bereit stehen. Deshalb ist der Kontakt zum „Cheforganisator“ obligatorisch.
Beim Brautstraußwurf profitiert man davon, wenn auch andere die Zeremonie auf Bild festhalten. So erhält man viele Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven und Hand auf’s Herz – nicht jedem Fotografen gelingt es, den fliegenden Brautstrauß einzufangen, vom Auffangen ganz zu schweigen. Meist scheitert dies schon an der Geschwindigkeit der Kamera bzw. an der Refreshzeit des Blitzes. Insoweit ist es äußerst günstig, wenn genügend andere Gäste ihre Fotoapparate zücken und mitknipsen. Aus der Masse von Bildern kann man dann womöglich eine ansehnliche Bildfolge zusammenstellen.
Am Ende des Tages kann man das Brautpaar – selbstverständlich nur, wenn es damit einverstanden ist – noch mit zur Hochzeitssuite begleiten und damit den Tag auch fotografisch abschließen lassen. Die Obligatorischen Bilder vom Tragen über die Türschwelle, lassen sich noch durch einige Aufnahmen des Brautpaares im Bett (selbstverständlich in unverfänglichen Posen) ergänzen. Das ganze wird dann vom Öffnen des Brautkleides gekrönt.
Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich der Fotograf dezent zurückziehen und das Brautpaar Brautpaar sein lassen soll. Diese letzten Fotos werden, wie auch Sie feststellen können, das Brautpaar nach diesem anstrengenden Tag schon sehr müde zeigen.
Gruppenfotos
Auch wenn sie als nicht mehr so modern gelten, so sollte man doch auch ein paar Gruppenfotos aufnehmen. In späteren Jahren wird man sich daran erfreuen, wenn man die Lieben auf einem Foto versammelt bestaunen kann. Nicht selten sind erst bei der Feier alle Gäste zugegen, weshalb man das Gruppenfoto erst zu dieser (späten) Stunde machen sollte. Neben dem eigentlichen Gruppenfoto, auf dem alle Gäste zu sehen sein sollten, können natürlich auch noch kleinere Gruppenfotos angeboten werden. Heute mag es aus der Mode sein, aber noch vor Jahren lichtete man stets Gruppierungen ab: Brautpaar und Eltern, Brautpaar und Blumenkinder, Brautpaar und Freunde und und und.
Das eigentliche Foto der kompletten Hochzeitsgesellschaft, so finde ich, darf auch in der heutigen Zeit nicht fehlen. Aber man sollte von dem traditionellen Aufstellen Abstand nehmen und frische Ideen einbringen. Zunächst ist peinlichst genau darauf zu achten, dass man später jedes Gesicht klar erkennen kann. Ich fordere daher alle Gäste auf, selbst darauf zu achten, dass beide Augen freie Sicht zur Kamera haben. Leider zollen einige Gäste dem Brautpaar in dieser Hinsicht keinen Respekt und verstecken sich geradezu hinter einem größeren Vordermann. Auch hier hilft ein Assistent, der die Gäste selbstbewusst positioniert.
Abrücken sollte man von der veralteten Methode, alle Gäste in Dreierreihe hintereinander Aufstellung nehmen zu lassen. Die beiden äußersten Gäste befinden sich dann gerade noch so Bild, der Vordergrund bleibt jedoch recht leer. Besser ist es, man positioniert sich etwas höher, beispielsweise auf einem Balkon, einer Mauer oder einer Leiter, und schaut von weiter oben herab auf die Gäste. Ein Tritt reicht wegen der zu geringen Höhe aber nicht aus. So kann man die Gäste formatfüllend in mehr als 3 Reihen Aufstellung nehmen lassen und die Reihen stehen nicht so dicht zueinander. Die Hochzeitsgesellschaft steht so etwas locker, nicht übermäßig gedrängt, im Foto und alle blicken lächelnd zur Kamera.
Man sollte immer genügend Aufnahmen machen, damit man später ein Foto auswählen kann, auf dem auch wirklich alle optimal zur Kamera blicken. Sie sollten auch unbedingt weitere Einstellungen probieren: Fordern sie das Brautpaar auf, sich zu küssen, während alle Gäste zum Brautpaar blicken. Oder fordern Sie alle auf, zu winken oder Beifall zu klatschen.
Details
Vergessen Sie nicht, den ganzen Tag über viele kleine Details zu fotografieren. Damit kann man dann prima die Präsentation oder das Hochzeitsalbum aufpeppen. Fotografiert man diese Details bewusst, erspart man sich später das zufällige Auffinden und Ausschneiden von normalen Fotos, zumal damit immer ein Qualitätsverlust verbunden ist.
Hier eine nicht abschließende Liste solcher Details:
Blütenkörbchen, Brautstrauß, Autodeko, Hochzeitsringe, Rücken der Braut, die Hochzeitsschuhe, Tischdeko, das Buffet, Hochzeitskerze, Geschenke und und und.
Grundsätzlich sollten Sie so viel wie möglich Details fotografieren, man weiß nie, ob und wie man sie später verwenden kann. Ich habe beispielsweise den Schattenwurf von Dekorationsluftballons fotografiert und konnte so anschließend ein noch nicht zu viel verratendes Deckblatt eines Fotobuchs damit gestalten.
Die "eigentlichen" Hochzeitsfotos
Die eigentlichen Hochzeitsfotos sind das wichtigste Produkt des Tages in fotografischer Hinsicht. Diese Aufnahmen zieren das Hochzeitsalbum, werden an alle Freunde, Verwandte und Bekannte verschenkt und zieren in Bilderrahmen so manche Wohnung. Das Gelingen dieser Fotos entscheidet über das was von diesem Tag übrig bleibt.
Wurde der Hobbyfotograf auch mit diesen Bildern beauftragt, so gilt es gerade hier sein Können zu zeigen, um in puncto Qualität und Originalität einem Profi in nichts nachzustehen. Diese Bilder werden zudem sein Aushängeschild sein, um zukünftig wieder als Hochzeitsfotograf engagiert zu werden.
Entscheidend für dir Lokalität wird in erster Linie das Wetter und der Geschmack des Brautpaares sein. Wenn kein Regen die Pläne durchkreuzt, so wird man sich wohl für Außenaufnahmen entscheiden. Landschaftsparks, Gärten oder gepflegte Hotelanlagen bieten zahlreiche Locations, um stilvolle Aufnahmen gelingen zu lassen. Ein historisches Umfeld unterstreicht immer den festlichen Anlass. Aber heute gibt es auch Paare, welche sich an unkonventionellen Schauplätzen ablichten lassen. Ich habe schon auf einem Schrottplatz geschossene Bilder gesehen. Wenn diese handwerklich gut gemacht sind, wirken die Bilder auch nicht abstoßend.
Zusätzlich bieten sich auch noch Innenaufnahmen an; bei schlechtem Wetter sind sie sogar obligatorisch. Von Vorteil wird dann sein, wenn man in einem Schloss oder einer Burg heiratet. Auch stilvoll eingerichtete Hotelzimmer und -gänge bieten ausreichend Ideen. Kreativ sein heißt es bei solchen Aufnahmen. Hier zahlt es sich aus, wenn man ein paar Tage vorher schon mal vor Ort war und sich geeignete Orte aussucht.
Um das Paar in den verschiedensten Posen ablichten zu können, sollte man seine Phantasie spielen lassen. Das allein wird den Fotografen an Ort und Stele den Schweiß auf die Stirn treten lassen, denn im Stress sind gute Einfälle rar. Man sollte sich deshalb im Vorfeld einige Posen ausdenken und nötigenfalls notieren. Nur so vergisst man keine guten Ideen und kann sie vor Ort flott umsetzen. Der Ratschlag, seine Phantasie einzusetzen, nützt dem Fotografen jedoch recht wenig, sodass ich hier auch viele Möglichkeiten nenne.
Er lehnt ein Bein an einen schiefen Baum; sie küssen sich; Sie sitzt auf einer Bank, er steht dahinter; sie steht erhöht, er schaut zu ihr herauf; sie nehmen Tanzhaltung ein;
Man sollte darauf achten, dass störende Hintergrundobjekte fehlen, wie Industrieschlote, Wohngebäude, Elektrizitätsmasten usw. Der Hintergrund des Fotos sollte sich am besten aus einer homogenen Farbe zusammensetzen. Eine einheitliche Wand oder Mauer, das Grün des Waldes oder Feldes usw. Man sollte örtliche Gegebenheiten, wie Treppen, Zäune, Torbögen, Springbrunnen, Fachwerk, Brücken und Alleen mit einbeziehen. Kornfelder gelten auch als geeignete Kulisse. Auch Spiegel kann man reizvoll einsetzen.
Auch mit Bäumen kann man gestalten. Lassen Sie das Brautpaar zwischen zwei Stämmen hindurchlächeln, oder um einen dicken Baumstamm herum blinzeln. Auch wenn das Paar tief hängende Zweige nach links und rechts wegschiebt und dazwischen hervorblickt, kann das sehr angenehm wirken.
Auch Portraits in der Natur wirken sehr schön. Sonnenschein, bunte Blüten usw. lassen ganz romantische Bilder entstehen.
Die Präsentation
Neben den üblichen Foto- oder gar Flipalben der gesamten Feier ist natürlich das eigentliche Hochzeitsalbum das Ziel ambitionierter Hochzeitsfotografie. In ihm sollten und werden natürlich nur die besten und gelungensten Aufnahmen Einzug halten und es sollte für alle Zeiten der Stolz des Ehepaares und nebenbei auch das Aushängeschild des Hobbyfotografen sein. Die horrenden Preise der Fotografenalben wird man nicht zahlen müssen, jedoch sollte man sich nicht darauf versteifen, für wenig Geld ein ausgefallenes und hochwertiges Hochzeitsalbum zu erstehen. Einen gewissen Betrag muss man auch als „Selbstgestalter“ für ein schönes und originelles Album auf den Tisch blättern. Hat man erst einmal die Bilder gesichtet und ausgewählt, kann man sich nun heranwagen, ob es denn nun Farbfotos, Schwarzweißfotos oder Sepiafotos sein sollen. Man wird sich wohl für ein Potpourri der verschiedensten Färbungen einigen. In Zeiten der digitalen Fotobearbeitung sind auch schwach gefärbte Aufnahmen denkbar oder sogar Teilgefärbte. Dabei wird die Farbe im Hintergrund in Grautöne gesetzt und nur die gewünschten Partien farblich gehalten.
Moderne Programme sind auch in der Lage die Bilder im Handumdrehen in exakten Proportionen oder auch exakt quadratisch zu beschneiden. So können aus weniger gelungenen Aufnahmen durch Beschnitt Fotos mit völlig neuer Bildwirkung gezaubert werden und so manche Aufnahme findet so doch noch ihren Weg ins Album. Ja, man kann sogar behaupten, ein Album mit verschiedensten Formaten wirkt weniger langweilig.
Ich tendiere auch gerne zu Über-Formaten wie 16:9 oder gar 4:2, lange schmale Bilder lockern die Einheitsgrößen im Album auf.
Auch lustige oder peinliche Momente können entstehen, obwohl man deren Veröffentlichung dem Brautpaar überlassen sollte.
Literaturempfehlungen
Zeitschrift „Foto Praxis“, Ausgabe 4/09 August/September, Artikel „Die große Fotoschule: Hochzeitsfotografie“
Turner, Michelle; Hochzeitsfotografie; mitp 2008; ISBN 978-3-8266-5926-3
Gero, Paul F.; Digital fotografieren / 007 Hochzeit; Markt + Technik 2006, ISBN 978-3-8272-4096-5
Williams, Annabel; Erfolgreiche Hochzeitsfotografie; Laterna magica 2002; ISBN 978-3-8746-7786-8
Hilton, Jonathan; Hochzeitsfotografie; Laterna magica 1998; ISBN 978-3-8746-7711-0
http://www.fotografr.de/32/das-kleine-einmaleins-der-hochzeitsfotografie/
http://kwerfeldein.de/index.php/2009/06/08/10-tipps-zur-hochzeitsfotografie/
http://www.fotocommunity.de/info/Fotografieren_bei_Trauungen
http://www.andreashurni.ch/hochzeit/index.html
http://www.fotografen-welt.de/tipps-hochzeitsfoto-selbst-machen.html
http://fotografie.suite101.de/article.cfm/der_weg_zu_gelungenen_hochzeitfotos
http://www.etest-digitalkamera.de/Tipps-und-Tricks.Hochzeitsfotografie-Teil-1-.html
Heiko Lorenz im Netz!
